POK Nütschau - Ohne Geld und ohne Handy – es geht!

Auf dem Weg zu sich selbst und den Menschen: Abenteuer-POK 2012 in Nütschau / Schleswig-Holstein. In diesem Jahr im Oktober waren sie wieder unterwegs: 18 Jugendliche aus allen Teilen des Bistums Hildesheim. Zu ihrem POK.

„POK“ meint Persönlichkeitsorientierter Kursus und der ist im Bistum Hildesheim verpflichtender Teil der Jugendleitungsausbildung, nach dem Motto: Bevor du auf Gruppenkinder losgelassen wirst, setze dich erst einmal richtig mit dir selber auseinander und damit, wie du in der Gruppe tickst.

 

Seit 2007 fährt die Ministrantenpastoral Hildesheim nach Nütschau, bei Bad Oldesloe. Das dortige Benediktinerkloster betreibt ein Selbstversorgerhaus für Jugendliche.

 

Sich selbst und den andern kennenlernen

 

Gut eine Woche verbringen die Jugendlichen dort miteinander, angeleitet von einem engagierten Team. Innerhalb dieser Woche passiert viel: Die Jugendlichen denken über sich und ihr Leben nach, was sie trägt, was ihnen ihre Familie und Freund bedeuten. Sie tauschen sich darüber aus. Ebenso die Frage: Was macht mich aus, was sind meine Talente, treibt sie zudem um.

Als Gruppe gibt es viele gemeinschaftsstärkende Übungen, die nach der Übung gut reflektiert werden: Was braucht es für die Teamfähigkeit?

 

Der POK-Walk

 

„Ey, du gehst in die Stadt und kannst dir nichts kaufen!“

 

„Ich kannte bisher noch keinen Hunger.“

 

Der Höhepunkt des POKs ist eine 2 ½ tägige Wanderung durch die Holsteinische Schweiz in Kleingruppen. Die Jugendlichen sind ohne Handy und Geld unterwegs und müssen Unterkunft und Verpflegung erbetteln. Dies klappt immer und besser als zuerst gedacht. Aber die Ungewissheit gilt es gemeinsam zu überwinden oder auszuhalten. Frustrationen und schlicht und einfach Hunger müssen durchlebt werden: Nichts Angenehmes ist sofort verfügbar. Und in dieser Extremsituation müssen sie freilich auch sich selber aushalten lernen.

 

Nicht nur Stärken und Talente, auch Grenzen gilt es daher zu erproben: Die Wanderung wird anstrengend, trotz guter „Gepäck- und Wanderschuhberatung“ im Vorfeld. So gab es viele „Fußlahme“. Aber interessanter Weise dachten die wenigsten betroffenen ans Aufgeben. Ohne Gepäck, das das Team ihnen bei einem der Kontrollfahrten ihnen abgenommen hatte, gingen sie weiter. Und manche Gruppen hatten Glück und kamen in der ersten Nacht in einer Einliegerwohnung unter; und trotzdem wollten sie unbedingt in der zweiten Nacht im Heu schlafen.

 

Zurück im Jugendhaus…

 

Die Tage nach der „POK-Walk“-Phase steht dann unter dem Motto der intensiven Reflexion: Wie arbeitete die Gruppe zusammen? Wie kamen wir mit den Aufgaben zurecht? Was habe ich Neues über mich erfahren? Usw.

 

Ein intensives Erlebnis liegt nach dieser Woche hinter den Jugendlichen. Manche Freundschaften wurden geschlossen und bestehen weiter fort. Die Selbstüberwindung bei der Wanderung, aber auch das blicken auf die eigene Biographie und das Kennenlernen neuer Menschen, geben den Jugendlichen einen vorher so nicht geahnten Reifungsschub.

 

Nun sind sie gut gerüstet den zweiten Teil der Jugendleitungsausbildung anzugehen – und sie haben eine Ahnung, was Jugendarbeit bewirken kann.

 

Hendrik Becker, November 2012.