„Bei uns sind die Gottesdienste viel lebendiger“

Gruppen Bild – Lateinamerikanische Mutmacher für eine lebendige(re) Kirche

 

Am 1. Dezember 2012 fand im Rahmen der diesjährigen Auftaktveranstaltung zur bischöflichen ADVENIAT-Aktion im Bistum Hildesheim eine Jugendbegegnung mit einem Jugendpater aus Buenos Aires statt. Ort: das KAJUNE in Braunschweig.
 

„Leben ist, sich zu versammeln, dafür werden wir geboren, denn das Größte ist, zur Liebe zu gelangen.

Und es gibt nicht die Liebe eines Einzelnen, wenn es nicht die Liebe aller gibt.
Und aus diesem Grund sind wir heute hier."

 

Ein Zitat aus einem Lied, das der Hauptgast des Abends, Padre Carlos Saracini geschrieben hat. Pater Carlos ist Liedermacher. Diese Zeilen spiegeln schon das Lebensprogramm von Padre Carlos Saracini wider: Ein Leben in lebendiger Gemeinschaft, in der Begegnung und im gemeinsamen Handeln. Ein weiterer Gedanke von ihm ist darum auch „Wir müssen das Paradies selbst aufbauen“.
Pater Carlos aus Argentinien leitet in Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens, eine Gemeinde mit 10.000 Gläubigen und ist geistlicher Leiter des Jugendbildungszentrums „Talita Kum“. Am Samstag vor dem Ersten Advent 2012 war er zu Gast im Jugendzentrum KAJUNE in Braunschweig, eine von vielen Begegnungsveranstaltungen im Rahmen der diesjährigen ADVENIAT-Eröffnung.
Wenige Jugendliche waren gekommen, aber viele die am Thema Südamerika interessiert sind und natürlich neben dem Padre noch weitere lateinamerikanische Gäste aus Bolivien und Ecuador.

 

Nach ein paar Warming-up-Spielen ging es auch gleich los in den Austausch: Was machtTanzen 1 für mich/dich Christsein aus in der heutigen Zeit?
Es wurde schnell deutlich, was der Unterschied zur lateinamerikanischen Kirche ist: „Bei uns sind die Gottesdienste viel lebendiger“, sagte Santiago aus Ecuador und Pater Carlos zeigte ein Foto aus seiner kathedralartigen Heimat-kirche: Der Altar war in die Mitte gerückt, die feiernde Gemeinde saß im Oval um den Altar herum. Natürlich eine volle Kirche mit vielen jungen Gläubigen. Wäre das auch bei uns möglich?

 

Zwei Stichworte der jüngeren Teilnehmer im KAJUNE bei dem Brainstorming waren dementsprechend: „Lebendigkeit“ und „Gemeinschaft“. Beides Dinge, die für sie sehr entscheidend sind, aber leider immer weniger erlebt werden.
Pater Carlos, aber auch die anderen lateinamerikanischen Gäste zeigten uns schon durch ihre lebendige Art, dass Kirche anders sein kann.
Mit viel Bewegung und Gestik veranschaulichte der Padre, was seine Theologie ist: Das Irdische und das Himmlische sind wie Erde und Wasser: Wenn man nur Erde hat, wird sie trocken und bröselig, man kann mit ihr nichts machen. Sie ist unfruchtbar. Wenn man zu viel Wasser hat, schwemmt sie die Erde weg und sie ist verloren. Auf die Mischung kommt es an: Dann wird aus Wasser und Erde etwas Formbares.

 

Tanzen 2So will er Menschen zusammenbringen, Gemeinschaft stiften. Menschen begegnen einander, leben miteinander und kommen zum gemeinsamen Tun für eine bessere
Gesellschaft. Hier verwirklicht sich das Reich Gottes.
Man merkte auch: in Lateinamerika ist eine Gesellschaft im ständigen Aufbruch, ein Entdecken der Möglichkeiten gesellschaftlichen Handlungsspielraums.
Nach diesem Austausch musste Pater Carlos weiter, der Begegnungsmarathon setzte sich fort: Denn der Bischof von Hildesheim hatte die lateinamerikanische Delegation eingeladen.

 

Damit war die Veranstaltung noch nicht vorbei: Es wurde gegessen und getanzt. Lambada, Salsa, Merenge, Tinca und Cueca wurde gelernt, zu traditionellen und modernen Rhythmen aus Lateinamerika.
Zum Schluss wurden noch zwei karitative Südamerika-Projekte vorgestellt: Zum einen die Partnerschaft zwischen Braunschweig-Querum mit Peru zum andern die von Salzgitter-Thiede mit Cotoca/Bolivien.
Eine der Jugendlichen fragte in Bezug auf die vorgestellten Projekte: „Warum haben wir sowas eigentlich nicht in der Gemeinde?“
Es tat gut zu merken, dass nicht nur wir die Gebenden sind, sondern auch und viel mehr noch, dass wir Europäer Beschenkte sind, nämlich von einem lebendigen Bild von Kirche.

 

Und die Frage wurde wieder entfacht: Wie kann diese Lebendigkeit in unseren Kirchen aufkommen? Zu fragen ist sicher auch, welches Denken hindert uns?
Insgesamt eine sehr dichte, lehrreiche und „bewegende“ Veranstaltung. Ein Feuer war zu spüren, das man gerne mitgenommen hätte, um andere zu entzünden. Der Spruch von Pater Carlos, der über dieser Veranstaltung stand, könnte eine Antwort sein: „Wir müssen das Paradies selber aufbauen“! Also, fangen wir an, benennen wir vielleicht auch mutig, was nicht sein kann und darf in der Kirche, was die Lebendigkeit erstickt.

 

Hildesheim, 3.12.2012 Hendrik Becker, Ministrantenpastoral, Fachbereich Jugend.

 

 

Gruppenbild 2
Pater Carlos Saracini, vorn in der Mitte. Gäste aus Salzgitter und Braunschweig. Gäste aus Bolivien und Ecuador.

 

Bilderreihe 1
Begegnung zwischen Europa und Lateinamerika: Wie ist es bei euch, wie ist es bei uns?

 

 

Bilderreihe 2
Anregender und angeregter Austausch über Kirche hier und in Argentinien: Pater Carlos erzählt.