Friedensgrund 2011

(Burg Lohra, Deutschland)

„Sie haben Ihr Ziel erreicht!“…

Mit diesen Worten wurden wir auf der Autobahn im Bundesland Thüringen auf der Reise zum Friedensgrund 2011 begrüßt. Unser Ziel war die Burg Lohra, gelegen zwischen Nordhausen und Heiligenstadt, irgendwo im Nirgendwo…

Insgesamt 80 Jugendliche aus ganz Europa, davon 20 aus Deutschland machten sich auf den Weg, um eine knappe Woche gemeinsam zu beten, zu arbeiten, zu feiern, sich auszutauschen, Freunde wiederzutreffen und neue Kontakte zu knüpfen. So, wie es auch die letzten 20 Jahre Tradition war, nur das dieses Jahr der Termin direkt nach Ostern lag und nicht, wie sonst, in den Sommerferien.

 

…und wo sind wir jetzt?

Burg Lohra

Burg Lohra, wer kennt sie nicht. Stehend auf einem weitläufigen Gelände, dessen Geschichte weit bis ins 12. Jahrhundert zurück reicht und sich durch die „Hauptburg“ und weitere Gebäude, wie die ehemaligen Ställe und Schlafgemächer der Bediensteten in der Vorburg, idyllisch auf einem Bergrücken, erstreckt. Diesmal waren wir in einem Haus untergebracht, das zwar einfach ausgestattet war, aber verglichen mit den gewohnten Schlafzelten etwas mehr Komfort bot. Bereits kurz nach der Ankunft konnte sich die deutsche Gruppe miteinander bekannt machen, da die Teilnehmer sowohl aus dem gesamten Bistum Hildesheim als auch aus dem Bistum Erfurt kamen.

 

Aus den Dörfern und aus Städten…

Wie im Friedensgrund üblich, reisten nach und nach die Gruppen aus den verschiedenen Ländern an. Während die Rumänen bereits seit dem Vortag da waren, holten die Jugendlichen aus Bosnien den verpassten Schlaf nach. Am meisten Pech hatten die Ukrainer, die lange auf den Bus (8 Std.) der Weißrussen warten mussten, da dieser in Polen im Stau stand. Nach und nach trafen auch die anderen Gruppen aus der Republik Moldau, Kroatien und Ungarn ein. Als letzte Gruppe kamen die Litauer an und das Camp war somit vollzählig. Endlich konnte der Friedensgrund offiziell mit dem leckeren „Begrüßungsgrillen“ eröffnet werden. Abgerundet wurde der Abend mit den Vorstellungen der einzelnen Nationen, die zum einen sehr vielfältig und lustig waren, aber auch zum Nachdenken über die Situation einiger Länder anregten.

 

Welcome in your international group!

Bereits am nächsten Vormittag stand die Zusammenfindung der internationalen Gruppen an. Jedes Land sollte Zweierteams aufschreiben, die dann bunt gemischt in Kleingruppen eingeteilt wurden. Insgesamt waren es neun Gruppen. Als Einstieg hatten wir die Aufgaben, innerhalb der Gruppe uns einen Namen auszudenken, uns kennenzulernen und ein „Wappen“ zu zeichnen. Außerdem sollten wir uns am Abend mit einer kleinen Präsentation vorstellen. Es ist immer wieder beeindruckend, wie schnell man sich innerhalb der Gruppe wohl fühlt und zusammen kreative Ideen austauscht.

 

„Working Projects“

Nach dem Mittagessen begann der „Arbeitsalltag“ des Friedensgrundes. Dieses Jahr stand das Gelände der Burg im Vordergrund. Es gab verschiedene Aufgaben zu erfüllen, z.B. die Gräben oder Fundamente für Terrassen zu ebnen, Bauschutt wegzuräumen, der heißgeliebte „Ambiente-Dienst“, sprich Spülen und Zeltplatz bzw. Unterkunft in Ordnung bringen und Holz für das Lagerfeuer zu sammeln. Bei der gemeinschaftlichen Arbeit kommt immer eine einzigartige Stimmung auf. Trotz der
teilweise anstrengenden Tätigkeiten wird meistens mit viel guter Laune gesungen, geredet, erste Schritte in anderen Sprachen versucht und in den Pausen sogar getanzt. So fällt kaum auf, wie schnell die Zeit vergeht und am Ende ist dann jeder einzelne stolz und gleichzeitig fasziniert, wie viel man gemeinsam erreichen kann.

Um auch die verschiedenen Konfessionen „live“ zu erleben, gab es vor dem Abendbrot die Möglichkeit, an einem griechisch-katholischen Gottesdienst teilzunehmen. Auch wenn einem im ersten Moment alles sehr fremd vorkommt, so kommen beim Austausch untereinander auch immer viele Parallelen ans Tageslicht und aus dem Verständnis heraus wächst ein Gefühl von Respekt und Toleranz füreinander.

Das Abendprogramm fand wie immer im Gemeinschaftszelt statt. Alle internationalen Gruppen durften sich in Form einer kurzen Präsentation vorstellen und es wurde viel gelacht und applaudiert. Im Anschluss hatten die Malteser noch leckeren Stockbrotteig vorbereitet und so wurde bis tief in die Nacht gemeinsam am Lagerfeuer in Decken eingekuschelt die atemberaubende Atmosphäre genossen, die sich durch die teilweise beleuchtete Burg und die lodernden Flammen ergab.

 

Grenzerfahrungen erleben

Freitag begann schon früh morgens das Programm. Bereits vor dem Morgengebet bestand die Möglichkeit, einen römisch-katholischen Gottesdienst zu besuchen. Für den Vormittag war wieder das Arbeiten eingeplant. So langsam sah man die Fortschritte an den einzelnen Projekten, was alle nur noch mehr motivierte, die Aufgaben vor dem Mittagessen fertigzustellen.

Grenzlandmuseum Eichsfeld

Nach dem Mittagessen stand ein Ausflug an. Gemeinsam ging es zum Grenzlandmuseum im Eichsfeld, in der Nähe von Duderstadt. Dort trafen wir im Bildungszentrum Rolf Berend, einen Abgeordneten des Europaparlamentes, der unseren Fragen Rede und Antwort stand. Es entwickelte sich eine sehr angeregte politische Diskussion über die derzeitige Situation der EU und die verschiedenen Meinungen der Nationen. Dabei wurde uns allen deutlich, welch schwieriger Aufgabe die EU sich stellt, eine einheitliche Regierung trotz der vielen unterschiedlichen Länder und Kulturen zu bilden.

Im Anschluss durften wir uns noch die Ausstellung im Museum ansehen, die sich hauptsächlich mit der Geschichte des Eichsfeldes und deren Problemen während der Zeit der innerdeutschen Grenze und der Befreiung durch die Mauereröffnung befasst. Gerade mit so vielen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft erlebt man solche Momente wesentlich intensiver, da man sich austauschen kann und die Emotionen der anderen greifbar miterlebt. Es ist spannend zu hören, was die verschiedenen Nationen und besonders die jüngeren Generationen über diese geschichtlichen Ereignisse denken.

Unter dem Einfluss dieser „Grenzerfahrungen“ ging es dann nach Duderstadt, um dort in der Stadt zu bummeln, sich das Zentrum anzuschauen und sich ein Eis zu gönnen. Das Wetter lud förmlich ein.

Auch wenn der Friedensgrund dieses Jahr nur ein paar Tage dauerte, durfte die „Nacht der Versöhnung“ nicht fehlen. Am Abend war das ganze Camp in Stille getaucht, nur im Gemeinschaftszelt klangen leise Taizé-Gesänge. Ein jeder hatte die Chance in sich zu gehen und geleitet von kurzen Impulsen in der Kapelle über sich nachzudenken und das eigene Handeln zu reflektieren. Gleichzeitig konnten wir Herzen basteln oder Mandalas ausmalen und die einzelnen Pfarrer boten sich für ein Beichtgespräch an. Aufgrund der starken Nachfrage bauten die Malteser erneut ein Lagerfeuer auf und wir saßen wieder gemeinsam beisammen und ließen den Tag ausklingen.

 

Starten Sie mit dem dritten Arbeitsvormittag!

Nach dem gemeinsamen Morgengebet und dem anschließenden Frühstück waren alle Teilnehmer wieder fit für die dritte und letzte Arbeitsphase. Am Samstagvormittag gab es für jede Gruppe wieder einen Auftrag.

Friedensgrundbaum wird gepflanzt

Am Samstag wurde gemeinsam mit allen Teilnehmern ein Friedensgrundbaum auf einer großen Wiese auf dem Burggelände gepflanzt. Zum Mittag gab es wieder ein leckeres Essen aus der guten Malteser Friedensgrund Küche. Dadurch gestärkt ging es mit voller Energie zum anstehenden Ritterturnier.

Das Leitungsteam hatte sich einiges ausgedacht, denn zu einer richtigen Burg gehören Ritter und die müssen auch standesgemäß ein Ritterturnier austragen. Der König der Burg hatte acht Disziplinen ausgerufen, in denen die Teilnehmer ihr Geschick, den Teamgeist und ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen konnten. Höhepunkt war das Spiel Knüppelball aus dem vielleicht das Golfen entstanden ist. Gespielt wurde bergauf und jeder im Team musste zum Spielen nacheinander die Sportbekleidung anziehen. Den Knüppel durfte man nur mit Handschuhen anfassen und den Ball musste man mit dem Knüppel den Berg hinauf ins Ziel treiben.

Internationaler Flair beim Abschlussgottesdienst mit Weihbischof Schwerdtfeger

Eifrige Hände hatten aus den zahlreichen Löwenzahnpflanzen, die auf dem Gelände wuchsen, einen Kranz und ein Band für den Altar geflochten. Ein ganz besonderes internationales Flair hatte dieser Gottesdienst, indem jede nationale Gruppe das Evangelium in ihrer Landessprache vernehmen konnte und die Predigt auf Englisch gehalten wurde. Untermalt wurde der Gottesdienst zusätzlich von zwei Gruppen, die in ihrer Landessprache Liedern sangen.

Abendessen mit Weihbischof Schwerdtfeger

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es Abendbrot. Der Weihbischof blieb noch zum Essen, dabei bestand die Möglichkeit, aus jeder nationalen Gruppe einen Teilnehmer an den Tisch des Weihbischofs zu entsenden. Ein Teilnehmer berichtete danach: „Der Weihbischof war sehr interessiert an uns und unserem Leben in den Heimatländern.“
Am Abend kam noch die letzte Aufgabe der einzelnen Gruppen aus dem Turnier zur Geltung: eine kurze Präsentation, warum ihre Gruppe die Beste des Friedensgrundes ist. Diese Aufführungen bildeten dann das Abendprogramm. Dabei sind sehr lustige und kreative Vorträge entstanden. Die Umbaupausen wurden vom Leitungsteam mit einer romantischen mehrteiligen Lovestory gekonnt ausgefüllt.

 

Abschlussparty

Nicht jeder tanzte alleine für sich, es gab viele Lieder zu denen in der Gruppe getanzt werden konnte und das war gerade bei den Gästen sehr beliebt. Von dieser Freude haben sich die Skeptischen anstecken lassen, sodass alle Friedensgründler gemeinsam zu verschiedenen und nicht alltäglichen Klängen gemeinsam das Zelt zum beben brachten. Es wurde ausgiebig und lange gefeiert.

 

Sonntagmorgen: Abschied und Abreise

Der Tag begann mit einem Morgengebet. Anschließend gab es Frühstück und schon mussten die ersten Nationen die Burg verlassen. Dieses läutete den Abschied ein und allen wurde bewusst dass der Friedensgrund schon fast zu Ende war.

Gruppenfoto Teilnehmer

Nach einer gemeinsamen großen Abschlussrunde wurde der Friedensgrund 2011 offiziell beendet. Nun hieß es, sich von den lieb gewonnenen Teilnehmern dieses Friedensgrundes zu verabschieden. Die einzelnen Gruppen machten sich auf den Weg in ihre Heimatländer.

Die Verbliebenen halfen den Maltesern beim Zeltabbau und die genutzten Räumlichkeiten wurden wieder hergerichtet und gereinigt. Nach dem Mittagessen unter freiem Himmel brachen auch die letzten auf.

Friedensgrund ist nicht nur der Ort, an dem er stattfindet. Friedensgrund ist ein Gefühl von Gemeinschaft, Vertrauen und Glauben, wobei ganz selbstverständlich die Sprachgrenzen überwunden werden. Man muss einfach dabei gewesen sein!

Johannes Meis und Martha Smit