Friedensgrund

Was ist der Friedensgrund?

Der Friedensgrund ist ein internationales und ökumenisches Jugendprojekt der Diözese Hildesheim. Seit 15 Jahren lädt die Diözese Hildesheim in jedem Sommer junge Menschen im Alter von 16-28 Jahren aus Deutschland und aus verschiedenen Ländern Mittel-Osteuropas dazu ein, für zwei Wochen in einem je anderen Land in einem Zeltlager zusammenzuleben, um dort miteinander zu arbeiten, zu beten, sich auszutauschen, sich zu informieren, Freizeit zu gestalten. Im Mittelpunkt steht dabei die Erfahrung des und die Auseinandersetzung mit dem meist Unbekannten:

 

Wie erleben junge Menschen aus Weißrussland oder der Ukraine die derzeitige Situation in ihren Ländern? Welche Hoffnungen setzen Jugendliche aus Litauen, Polen oder Ungarn in Europa? Mit welchen Schwierigkeiten und Ängsten haben junge Menschen in Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina oder Rumänien zu kämpfen?
Der Friedensgrund ist ein Ort der Begegnung. Um einander kennenzulernen und um miteinander tätig zu werden. Um ein sichtbares Zeichen zu setzen, dass Jugendliche unterschiedlicher Nation und Konfession gemeinsam Zukunft gestalten wollen und können.

 

Was können junge Christen dazu beitragen, dass Versöhnung, Frieden und Solidarität das Miteinander in Europa prägen?
Diese Frage beantworten die Teilnehmenden am Friedensgrund mit ihrem Zusammenleben, ihrem Gebet, ihrer Arbeit. Als wertvollste Erfahrungen im Friedensgrund benennen die FriedensgründlerInnen Jesus Christus als den Grund unserer Hoffnung und unsere Zuversicht zu entdecken und zu erspüren, Fremdheiten und Vorurteile abzubauen, über Grenzen und Sprachbarrieren hinweg Freundschaften zu schließen, sich für andere Kulturen, Mentalitäten und Ausdrucksformen zu öffnen, in der Gemeinschaft neue Tatkraft zu gewinnen.

 

Idee, Geschichte und Entwicklung des Friedensgrundes

 

Die Idee für das Projekt Friedensgrund entstand im Jahr 1990 bei einer Begegnung von Jugendlichen aus Deutschland, Polen und Russland auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Bei diesem Treffen wurde deutlich, wie groß das Bedürfnis und die Sehnsucht nach einer versöhnten Zukunft in einem vereinten und solidarischen Europa sind. Nach einem europäischen Zusammenleben, dass sich unterscheidet von der durch Kriege geprägten Vergangenheit. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es gerade aufgrund dieser schmerzvollen gemeinsamen Vergangenheit und der gleichzeitig durch die Existenz des Eisernen Vorhangs verunmöglichten Begegnung miteinander noch viel Unversöhntes, viele Vorurteile und viel Unwissen übereinander gab. Aus dieser Erkenntnis wuchs die Idee, dass ein Einsatz junger Menschen für dauerhaften Frieden und echte Versöhnung gerade zwischen West- und Osteuropa damit beginnen müsse, einander wirklich kennenzulernen und miteinander tätig zu werden. Die Idee für ein jährliches Treffen auf der Grundlage der benediktinischen Regel "ora et labora" wurde geboren. Der Versöhnungscharakter dieses Projektes gewann besonders dadurch Gestalt, dass die deutsche Gruppe Länder besuchte, die unter der Nazi-Herrschaft besetzt waren. Seit den Anfängen wurde der Friedensgrund organisiert in Deutschland, Polen, Russland, Tschechien, der Ukraine, Kroatien, Belarus, Serbien, Rumänien und Litauen. Aus diesen Ländern setzen sich auch die teilnehmenden Gruppen zusammen. Jahr für Jahr ist die Friedensgrundgemeinschaft international gewachsen, sie integriert römisch-katholische, griechisch-katholische und orthodoxe Teilnehmende.

 

Programmbausteine

Wichtigstes Ziel des Friedensgrundes ist es, den teilnehmenden jungen Menschen die Gelegenheit zu eröffnen, einander gut kennenzulernen, Fremdheiten abzubauen. Das Leben im Friedensgrund-Camp ist organisiert in internationalen Kleingruppen. Diese bilden das Grundgerüst des Friedensgrundes, gestalten das Zusammenleben.
Als bloße Worte bleiben "Frieden" und "Versöhnung" eine wertfreie Hülle. Deshalb ist das gemeinsame Arbeiten ein wichtiger Baustein des Friedensgrundes. An den Vormittagen setzen sich die Jugendlichen in je unterschiedlichen Arbeitsprojekten ein (in der Vergangenheit beispielsweise beim Bau eines Caritashauses, Treppenanlagen für eine Kirche, Ausheben von Gräben für die Stromversorgung, Zaunbau,…). Diese gemeinsame Arbeit ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir uns ernsthaft einsetzen wollen für eine versöhnte Zukunft, dass wir an dieser mitbauen wollen.
Getragen wird das Zusammenleben im Friedensgrund von seinem spirituellen Gerüst. Gebetszeiten, die von den internationalen Gruppen vorbereitet werden, das Mitfeiern der Gottesdienste der unterschiedlichen Konfessionen, eine Nacht der Versöhnung machen deutlich: Jesus Christus ist der Grund, auf dem wir leben, der Grund für unsere Hoffnung und unseren Einsatz.
In den thematischen Einheiten steht die Auseinandersetzung mit der jeweiligen Lebensrealität der teilnehmenden nationalen Gruppen und mit brennenden europäischen und Zukunftsfragen im Mittelpunkt. Der Austausch und die Diskussion führen zu einer verfeinerten Realitätswahrnehmung und zu höherem Problembewusstsein. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden thematisiert, der manches Mal national begrenzte Horizont erweitert.
Des weiteren spielt das Kennenlernen von Geschichte und Situation des jeweiligen Gastgeberlandes eine wichtige Rolle für den Friedensgrund. Zu diesem Zweck unternimmt die Friedensgrundgemeinschaft Ausflüge an wichtige Orte des jeweiligen Landes, werden Diskussionsveranstaltungen mit kirchlichen Autoritäten und/oder Politikern und Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung organisiert.

 

Nachhaltigkeit

Der Friedensgrund hinterlässt nicht nur durch seine Arbeitsprojekte sichtbar Spuren. Die Teilnahme am Friedensgrund verändert das Bewusstsein, schafft Offenheit für andere europäische und konfessionelle Realitäten. Durch den Friedensgrund ist in den vergangenen Jahren ein dichtes und verlässliches Netz an Kontakten über alle Grenzen der teilnehmenden Nationen hinweg gewachsen. Viele ehemalige Teilnehmende setzen sich in ihren Lebensbereichen weiterhin auf unterschiedliche Weise dafür ein, dass Hilfe geleistet wird, dass Vorurteile abgebaut, Kontakte geknüpft werden. Ein Grund zur Hoffnung für eine europäische Zukunft in Versöhnung, Solidarität und Frieden.

Pfarrer Christian Göbel

 

Friedensgrund – a short description of the project?

Friedensgrund means

 

an international and ecumenical youth project sponsored by the diocese of Hildesheim.
For more than 15 years now the diocese of Hildesheim invites each summer young people aged 16-28 from Germany and from different countries of Middle-Eastern-Europe to live together for about two weeks in a camp (this camp is built with tents); to work together, to pray, to discuss, to inform themselves, to share free time. At the heart of this project we find the experience and the dealing with the mostly new and unknown:

 

How do young people from Belarus or the Ukraine experience the situation in their countries? Which are the hopes that animate young people from Lithuania, Poland or Hungary? Which are the difficulties or fears young people from Croatia, Serbia, Bosnia-Herzegovina or Romania have to struggle with? Friedensgrund is a place of meeting, a place of sharing. To get to know each other, to be active together. To become a visible sign for the fact that together young people from different nations and confessions want and are able to create and to shape future.

 

What might be the contribution of young Christians to a coexistence in Europe that is characterized by reconciliation, peace and solidarity? The participants of Friedensgrund give an answer to this question by living, praying and working together. Their most valuable experiences:

 

  • discover Jesus Christ as the fundament of our hope and confidence
  • overcome prejudices and animosities
  • open up oneself for different cultures, mentalities and forms of expression
  • find new strength in community

 

Idea, history and development of Friedensgrund

The idea to the project Friedensgrund was born in 1990 during a meeting of young people from Germany, Poland and Russia on the grounds of a former concentration camp, Bergen-Belsen (on the territory of the diocese of Hildesheim). During that initial meeting it became palpable that there is a deep longing for a reconciled future in a Europe united by solidarity. A longing  for an European coexistence that differs from the past with its experiences of war.

 

At the same time it became clear that, due to the painful common past and the existence of the Iron Curtain which made it difficult to meet each other for decades, there still were a lot of issues to deal with: the missing of reconciliation, prejudices, the simple fact that we did not know enough about each other. From here the idea grew that the commitment of young people to a lasting peace and real reconciliation especially between Western and Eastern Europe would have to start with getting to really know each other and being active together. The idea for a yearly meeting on the base of the Benedictine rule “ora et labora” was born.

 

The project’s emphasis on reconciliation was shaped by the fact that the German group visited countries which had been occupied under the Nazi-regime. From this beginning Friedensgrund has been organized in Germany, Poland, Russia, the Czech Republic, the Ukraine, Croatia, Belarus, Serbia, Romania, Lithuania, Bosnia-Herzegovina and Hungary. These are also the countries from which there are most of the participants. Year by year the community of Friedensgrund has been growing internationally, roman-catholic, greek-catholic and orthodox participants are integrated in it.

 

Elements of the program

 

The most important goal of Friedensgrund consists in opening the opportunity to get to know each other well, to lessen the impression of being strangers to each other for the participating young people. Life in the Friedensgrund-Camp is organized in international small groups. These groups are the basic structural element of Friedensgrund and shape the community life.

 

As mere words, the concepts of “peace” and “reconciliation” risk to remain empty and without value. Therefore common work is an important corner stone of Friedensgrund. In the mornings the young people get physically active in different working projects (in the past for example: construction of a Caritas house, a staircase for a church, digging the drainage for electrical mains, repairing the fence of a monastery…). This common work constitutes a visible sign for our desire to commit ourselves seriously to a reconciled future, our will to help building it.
Another important base of Friedensgrund lays in its spiritual structure. Prayer times prepared by the international small groups and the celebration of services of the different confessions, a “night of reconciliation” underline: Jesus Christ is the fundament  on which we live and the reason for our hope and our commitment.

 

At the centre of  the thematic work in Friedensgrund we find the analysis of

  • reality of life in the countries of the participating national groups
  • burning European questions and issues regarding the future.

Exchange and discussion lead to a sharper perception of reality and existing problems. Common ground and differences are brought into word, the sometimes nationally restricted horizon is widened.

 

Another important element of the Friedensgrund program is getting to know the history and the actual situation of the hosting country. Therefore the Friedensgrund community undertakes trips to important cities/cites of the hosting country and discussion forums with ecclesiastical and/or political authorities as well as meetings with the local population are organized.

 

Friedensgrund is leaving behind visible traces not just through the working projects. As experience shows, participation in the Friedensgrund usually helps the young people to find a new openness toward different European and confessional realities. Through the project “Friedensgrund” a dense and reliable net of contacts across all the borders of the participating nations has been growing over the past years. A fundament of (and a reason for) hope in a European future based on reconciliation, solidarity and peace.

Pfarrer Christian Göbel