Jugendwallfahrt 1993

Mit dem Bischof durch matschige Wiesen
80 Jugendliche waren bei der Internationalen Jugendwallfahrt des Bistums dabei


Strecken ohne Regen gab es für die Wallfahrer
nur selten
Hildesheim - Die Hose klebt an den Beinen, der Rucksack wird immer schwerer, die Füße tun weh und der verregnete Weg will kein Ende nehmen. "Am Dienstag hat es nur geregnet und der Weg führte fast ausschließlich nur über asphaltierte Wege. Das war ganz schön deprimierend und hat uns alle völlig geschafft", sagt die 14jährige Gabriele. "Aber die gute Stimmung haben wir uns dadurch nicht vermiesen lassen.." Gemeinsam mit einigen Freundinnen ist Gabriele zum ersten Mal bei der Internationalen Jugendwallfahrt des Bistums dabei. Auch sie hat schon einige Blasen an den Füßen, aber das macht ihr nichts aus: "Heute klebe ich ein Pflaster auf die Blasen, dann wird es morgen wieder einigermaßen weitergehen.".
   
Auf zwei verschiedenen Routen - von Göttingen und Wolfsburg - wandern rund 80 Jugendliche durch das Bistum Hildesheim. Bischof Josef begleitet die Jugendlichen während der gesamten acht Tage auf der Landroute. So wie alle anderen aus der Gruppe auch schläft Bischof Josef im Schlafsack auf dem Boden, trägt seine Sachen im roten Rucksack und watet durch matschige Wiesen. "Es ist einfach gut, mal wieder richtig normal zu sein." Statt in schwarzer Soutane über den Domhof eilend, lernen die Jugendlichen ihren Bischof von einer völlig anderen Seite kennen. "In seinen blauen Jeans und dem gestreiften Hemd fällt der Bischof in der Gruppe gar nicht auf, außer, daß er der einzige mit weißen Haaren ist", sagt Claudia.

Am "Versorgungsbulli" trafen sich alle Gruppen zur Rast, um sich zu stärken und sich auf die nächste Etappe vorzubereiten.

Sie ist begeistert von dem Gespräch, das sie während einer Wegstrecke mit Bischof Josef geführt hat. "Wir haben über alles geredet - nur nicht über Kirche. Er hat zum Beispiel erzählt, welche Theatergruppen er gut findet und welche Musik er gerne hört." Während der Wallfahrt erzählt Bischof Josef oft aus seiner Jugend. Zum Beispiel, wie er mit 16 Jahren eine feste Freundin hatte, Arzt werden wollte und nicht sehr viel mit der Kirche am Hut hatte.

 

Die jugendliche Wallfahrer übernachten in Pfarrheimen. Sobald sie dort ankommen, steht einzig der Bischof im Mittelpunkt. Man könnte meinen, daß aus der Jugend- eine Bischofswallfahrt geworden ist. Die Gemeindemitglieder erwarten einen "Auftritt" von ihrem Bischof und versuchen, ihm alles so bequem wie möglich zu machen.

 

Doch Bischof Josef will auch nach einer verregneten Wanderung von 20 Kilometern wie ein ganz normales Mitglied der Gruppe behandelt werden. Das machte er auch den Gastgebern sehr deutlich: "Sie haben doch sicherlich nichts dagegen, wenn nach mir auch die restliche Gruppe Ihre Dusche benutzt?" Nach dieser Frage fielen dann auch die Schranken für die anderen Wallfahrer. Gabriele: "So ein Bischof kann eben schon manches Schloß öffnen."

 

Während der Wallfahrt wurden nicht nur am "Versorgungsbulli" Pausen eingelegt. Sobald die Gruppe irgendwo unterwegs einen ruhigen Platz findet, wird "Bibel geteilt". Für jeden Tag gibt es Bibelstellen aus dem Alten und Neuen Testament. "Bei den Bibelpausen lesen wir einen Text und diskutieren anschließend darüber", sagt Gabriele. "Mir gefällt das sehr gut, denn das ist einmal eine ganz andere Art von Kirche."


Quelle: Archiv der KirchenZeitung, Jahresband 1993 (August)