Friedensgrund 2010 (Republik Moldau)

 

Moldawien? Wo liegt denn das? Und was willst du da? – Diese Frage habe ich in den letzten Wochen oft gehört. Die Republik Moldau ist ein weniger bekannteres Land, das ärmste in Osteuropa, und das „Gastgeberland“ des Friedensgrundes 2010.
Am 18.07.10 startete die Reise der deutschen Gruppe und des Leitungsteams nach Cretoaia, Moldawien. Mit dem Flugzeug ging es von Frankfurt nach Chisinau, die moldawische Hauptstadt.

Am Flughafen erwarteten uns schon die Malteser, die wie jedes Jahr auch diesmal wieder dabei waren und für die Logistik auf dem Zeltplatz verantwortlich waren. Doch die erste Nacht konnten wir aufgrund der Tatsache, dass der LKW der Malteser im Zoll festhing, noch nicht in unserer kleinen Zeltstadt in Cretoaia verbringen, sondern schliefen im „Haus der Vorhersehung“ in Chisinau, wo wir von einigen netten Schwestern mit Betten und Essen versorgt wurden.

Der „richtige“ Friedensgrund begann also einen Tag später, am Montag. Bei der Ankunft in Cretoaia- nach einer abenteuerlichen Fahrt auf moldawischen Straßen- begann der Aufbau der Zelte. Im Laufe des Tages trudelten auch die Gruppen aus den anderen Nationen im Camp ein und langsam stellte sich auch das Friedensgrund-Feeling ein. Die Sprache wechselte von Deutsch in Englisch, man traf „alte Bekannte“ und machte erste neue Bekanntschaften.

 

Der Camp- Alltag
Nachdem die ersten beiden Tage etwas turbulent verlaufen waren, kehrte am Dienstag der Alltag ins Camp ein. Gemerkt hat man das bereits, als am Morgen die Glocke das Aufstehen und das Morgengebet ankündigte. Nach dem Frühstück wurden dann die internationalen Arbeitsgruppen eingeteilt und es ging an die Suche eines Gruppennamens und das Bemalen einer Flagge.

Am Nachmittag gab es dann erste kleine Arbeitseinsätze für die einzelnen Gruppen, die den Aufbau des Camps weiter voranbrachten. So wurden zum Beispiel das Gemeinschaftszelt und das Kirchenzelt errichtet. Alles natürlich mit Hilfe der Malteser, die auch bemüht waren die Duschen und Waschstationen zu installieren, welche bei den Temperaturen um 40° Celsius auch dringend benötigt wurden. Am Abend erfuhren wir dann auch, was die Arbeitsprojekte im Ort beinhalteten.

In diesen Arbeitsprojekten, die später noch einmal genauer beschrieben werden, arbeiteten die acht internationalen Gruppen in den folgenden Tagen jeweils am Vormittag. Am Nachmittag gab es dann immer ein besonderes Programm, z.B. das Diskutieren eines Thema in den nationalen Gruppen, ein „ World- Cup“ mit unterschiedlichsten Spielen, die in den internationalen Gruppen bewältigt werden mussten, Freizeit oder Kreativ-Angebote. Am Abend wurden dann die Ergebnisse der Diskussionen oder anderen Gruppenaufgaben auf der Bühne im Gemeinschaftszelt präsentiert, meistens in sehr kreativer und lustiger Form. Außerdem gab es einen „Moldauischen Abend“ an dem die Gruppe des Gastgeberlandes den anderen Nationen das Land, seine Bewohner und seine Kultur näher brachte.

Den Tag rundete an jede Abend das „Evening-Prayer“ ab, welches immer von einer der internationalen Gruppen vorbereitet wurde. Hier hatte jeder für sich die Möglichkeit, den Tag mit all seinen Ereignissen Revue passieren zu lassen und einfach zur Ruhe zu kommen und sich auf das zu besinnen, was alle Nationen, trotz unterschiedlicher Sprachen und Hintergründe miteinander verbindet: Unser Glaube! Nach dem Evening-Prayer hatte dann jeder die Möglichkeit, zu tun was er möchte. Manche wollten schlafen, andere saßen bis spät in die Nacht zusammen, redeten, spielten und lachten miteinander. Besonders in diesen Stunden wurde für mich deutlich, dass Herkunft und Sprache, so unterschiedlich sie auch sein mögen, nichts mit dem Verständnis füreinander und untereinander zu tun haben. Denn trotz verschiedener Muttersprachen und nicht vorhandenen Englischkenntnissen wurden in diesen gemeinsamen Runden neue Freundschaften geknüpft, die auch über den Friedensgrund hinaus bestand haben.

 

Die Arbeitsprojekte
In den internationalen Gruppen arbeiteten wir an unterschiedlichen Projekten Zum einen stellten wir eine Wasserversorgung für mehrere Häuser in Cretoaia her, zum anderen sorgten wir dafür, dass eine zentrale Tränke für Kühe im Dorf wieder benutzbar ist. Außerdem gab es einige Malerarbeiten in einer Schule und der Pfarrgemeinde. Vor allem die beiden „Wasser-Projekte“ waren mit großem Aufwand verbunden, mussten doch zunächst Gräben ausgehoben werden, Ziegelsteine transportiert werden und schließlich auch alles wieder befestigt werden. Natürlich hatte man während der Arbeitsprojekte auch viel Zeit, mit den Mitgliedern seiner Internationalen Gruppe ins Gespräch zu kommen. In meiner Gruppe war beispielsweise auch Deutsch lernen während der Arbeit sehr beliebt.

 

Ausflüge
Neben der Arbeit stand natürlich auch Sightseeing an, um das Land besser kennen zu lernen. Am ersten Mittwoch du am Wochenende standen jeweils Ausflüge an. Der Erste führte uns in die Hauptstadt, wo wir zunächst eine kurze Führung bekamen und die katholische Kirche in Chisinau kennenlernten. Danach hatten wir Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Am Samstag führte unsere Reise dann an den Fluss Nistru, wo die Möglichkeit bestand, eine Höhle zu besichtigen oder aber am Fluss zu entspannen. Dieser Fluss bildet heute die Grenze zu dem von der Republik Moldau abgetrennten Landesteil „Transnistrien“. Nach einem kleinen Krieg 1992 hat sich dieser Landesteil einseitig für unabhängig erklärt. Ein Konflikt, der bis heute fortbesteht und an der Militärpräsenz in dieser Gegend auch für uns erkennbar wurde. So fand am Ufer des Nistru auch das traditionelle Friedensgebet statt, bei dem wir für eine gemeinsame und friedliche Zukunft unserer Nationen beteten. Am Sonntag besuchten wir dann ein orthodoxes Kloster, wo die Möglichkeit bestand, an der Liturgie teilzunehmen. Danach machten wir noch einmal einen Abstecher in die Hauptstadt, ehe wir am Nachmittag noch ein weiteres Kloster, umgeben von einer schönen Landschaft, besuchten.

 

Abschied
Am Mittwoch, den 28.07.10 war es dann so weit: Der letzte richtige Friedensgrundtag war gekommen. Morgens wurden die letzten Arbeitsprojekte beendet und am Abend sollte der Große Abschlussabend mit anschließender Party steigen. Das Programm des Abends wurde von den jeweiligen Nationen sowie dem Leitungsteam gestaltet. Jedes Land sorgte mit einem kreativen Beitrag für einen gelungenen Abend, zu dem neben den Camp-Teilnehmern auch der Bürgermeister von Cretoaia sowie viele Dorfbewohner, vor allem Kinder gekommen waren. Es wurde gesungen, getanzt und geschauspielert. Anschließend gab es die große Abschiedsparty, die bis in den frühen Morgen dauerte. Trotz des baldigen Abschieds war die Stimmung fröhlich und ausgelassen.

Erst als am nächsten Morgen die Zelte abgebaut wurden und die Abfahrt der einzelnen Nationen näher rückten überkam den Teilnehmern ein Gefühl der Traurigkeit und Abschiedsschmerz, der bei der Abreise der ersten Gruppen in Tränen gipfelte. Doch die Hoffnung auf ein Wiedersehen war zu spüren, ebenso wie die allgemeine Gewissheit, Teil eines tollen Erlebnisses gewesen zu sein.

Laura Busch