Friedensgrund 2007

(Bodrogolaszi, Ungarn)

Nachtreffen in Lindhorst
English Version

Friedensgrund in Ungarn
Zu Gast in einem kleinen Land mit großer Kultur

 

 

Der Friedensgrund 2007 führte in diesem Jahr ca. 130 Jugendliche und junge Erwachsene aus elf verschiedenen Nationen in den kleinen, beschaulichen Ort Bodrogolaszi im Nordosten Ungarns.

 

 

Die Teilnehmer aus Deutschland, Ungarn, Belarus, Litauen, Polen, Rumänien, Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, der Ukraine und erstmalig auch aus Frankreich und der Slowakei trafen sich dort für 12 Tage, um gemeinsam zu arbeiten, zu beten und beim gemeinsamen Leben im Camp einander kennenzulernen. Internationale Kleingruppen, in denen Vertreter aus jeweils ungefähr fünf verschiedenen Nationen zusammen den Camp-Alltag gestalten, bilden im Friedensgrund den Rahmen für diverse Aktivitäten.

 

 

Unter der Leitung je eines Gruppenleiters aus den Reihen der Teilnehmer sollen die Gruppen bei der gemeinsamen Arbeit, durch die Vorbereitung von Gebetszeiten, bei Freizeitaktivitäten, in Diskussionen und bei Präsentationen ins Gespräch kommen und vom Leben des Anderen erfahren. – Dies geht manchmal auch mit sprachlichen Hindernissen einher, ist aber eine bewährte Methode, die den Friedensgrund auszeichnet, weil in den Kleingruppen meist besonders enge Kontakte entstehen, die zum Teil von großer Nachhaltigkeit sind.

 

 

Wie jedes Jahr stand auch der diesjährige Friedensgrund unter dem Leitthema „Versöhnung“. Das bedeutet Versöhnung zwischen den Nationen und Konfessionen und nicht zuletzt auch Versöhnung mit Gott und mit sich selbst. Auch die Themen Europäische Union und die geschichtlichen Hintergründe und Zusammenhänge der europäischen Länder, vor allem natürlich in Ungarn, waren wichtiger Bestandteil der thematischen Arbeit.

 

 

Bereits 1990 initiierte Bischof Josef Homeyer den Friedensgrund. Seitdem war der Friedensgrund in nahezu allen osteuropäischen Ländern zu Gast. Organisiert wird das internationale Camp von einem Friedensgrund-erprobten Team, in dem unsere Diözesanpriester Pfarrer Martin Tenge und Kaplan Martin Marahrens, die Gemeindereferentinnen Patricia Hinz und Anette Handzik, Schwester Dominica von den Vinzentinerinnen und Stefan Solf als langjähriger Friedensgründler unter der Leitung von Pfarrer Christian Göbel zusammenarbeiten. In diesem Jahr wurde das Team tatkräftig von mehreren ungarischen Kollegen unterstützt.

 

 

Partner für die Gestaltung und Organisation des diesjährigen Friedensgrundes waren die Erzdiözese Eger, die griechisch-katholische Diözese Hajdudurog und der ungarische Zweig der christlichen Gemeinschaft Chemin neuf.

 

 

Die Teilnehmer und Organisatoren reisten mit Bussen, Kleintransportern und Zügen an. Nicht zu vergessen: Die hervorragend organisierten ehrenamtlichen Helfer der Malteser aus Hildesheim, Ungarn und Rumänien kamen unter der fachkundigen Leitung von Michael Spautz und Peter Dziewit mit riesigen LKWs, in denen sie Material für eine komplette Zeltstadt mitsamt fließend warmem Wasser und Stromversorgung transportierten.

 

 

Das Camp befand sich im Park eines alten, verlassenen Schlosses, das zu Zeiten des Sozialismus als Waisenhaus genutzt wurde. Es befindet sich im Besitz des Benediktinerordens, der es nun der Glaubensgemeinschaft Chemin neuf zur Nutzung überlassen hat. Die Gebäude und die gesamte Außenanlage sollen in Zukunft als Wohnort für Mitglieder der Gemeinschaft und als Begegnungs- und Exerzitienzentrum für junge Menschen genutzt werden.

 

 

Der 900-Einwohner-Ort Bodrogolaszi liegt am Ufer des Flusses Bodrog und am Rande des Zemplén-Gebirges im Nordosten des Landes. Hier bestimmen Weinberge, Mais- und Sonnenblumenfelder das Landschaftsbild. Nur 6 Km entfernt liegt die 20.000-Einwohner-Stadt Sárospatak, in der die Hl. Elisabeth vor 800 Jahren geboren wurde.

 

 

In einem Stadtspiel, das wir in Kleingruppen bestritten, lernten wir durch knifflige Fragen und lustige Aufgaben das hübsche Städtchen mit der mächtigen Burg ein wenig kennen. In der Kirche neben dem Geburtshaus der Hl. Elisabeth hielten wir eine Andacht und legten in Gedenken an das „Rosenwunder“ rote Rosen nieder. Auch das Lied „Wenn das Brot, das wir teilen“ begleitete uns während unserer Zeit im Friedensgrund.

 

 

Nach einigen Tagen im Friedensgrund-Camp empfingen wir dann zum ersten Mal Gäste aus dem Dorf Bodrogolaszi. Sie waren alle zum „Ungarischen Abend“ eingeladen worden … und viele kamen. Es waren wohl so viele wie noch nie in einem Friedensgrund – 200 zusätzliche Portionen „Pörkölt“ (würden wir wohl mit Gulasch übersetzen) servierten die begeisterten ungarischen Köche!

 

 

Die ungarischen Teilnehmer hatten das Gemeinschaftszelt wunderschön für ein Festmahl und einen anschließenden Tanzabend hergerichtet, und viele der Gäste brachten und kulinarische Geschenke mit. So genossen wir Wein und Gebäck, Gulasch und frisches Obst und feuerten die wilden Tänze einer eingeladenen Folkloregruppe an. Schließlich tanzten alle gemeinsam und konnten kaum ein Ende finden. Junge und Alte aus dem Dorf waren gekommen, und dass wir einander nicht verstehen konnten, war kaum ein Problem. Es genügte die Sprache der Herzen, wenn Frauen aus dem Dorf Friedensgrundteilnehmer umarmten, Fotos mit ihnen machten, Geschenke überreichten oder sie zum Tanz aufforderten.

 

 

Unser diesjähriges Arbeitsprojekt bestand in Abriss- und Aufräumarbeiten auf dem großen Gelände, auf dem wir campierten. Sieben Vormittage arbeiteten wir in internationalen Kleingruppen in der ehemaligen Schule sowie im baufälligen Schloss, wo Wände rauszureißen und Heizkörper zu entfernen waren. Viel Staub, Dreck und Schweiß schreckte die Teilnehmer nicht ab. Und auch Zecken und Mücken in den Außenanlagen konnten den Elan der Gruppen nicht bremsen.

 

 

Ein mehrere Hundert Meter langer Zaun wurde gründlich von Sträuchern und Bäumen befreit und das Unterholz des verwilderten Parks ansatzweise „gelichtet“. Dabei sammelten wir Feuerholz für voraussichtlich drei Winter und bewegten insgesamt ca. 1t Holz und Gestrüpp. Viele fleißige Hände schafften geschätzte 15t Schutt und 3-4t Heizkörper und Heizungsrohre aus dem kleinen Schulgebäude und ca. 6-7t Eisen aus dem Schloss.

 

 

Ein abschließender Rundgang mit Blick auf die geleistete Arbeit erfüllte alle mit Stolz und Freude, und die Abschlussreflexion der Nationengruppen ergab wieder einmal, dass gemeinsames Arbeiten soviel Spaß machen und vollbringen kann. In einem der neu geschaffenen großen Räume des alten Schulhauses, in dem nach Fertigstellung der Arbeiten durch die Mitglieder der Gemeinschaft Chemin neuf Seminare stattfinden sollen, hinterließen wir zum Abschluss eine Plakette mit der Aufschrift „Gott segne dieses Haus“.

 

 

Zu einem Friedensgrund gehört aber nicht nur die (z.T.) schwere körperliche Arbeit. Um einander besser kennenzulernen und somit besser verstehen zu können, setzen sich die Teilnehmer auch mit der Lebenssituation der Anderen auseinander. Vor allem das informelle Gespräch bei den Mahlzeiten, in den Mittagspausen, auf langen Busfahrten bietet reichlich Gelegenheit, viel über die einzelnen Teilnehmer und ihre Herkunft zu erfahren, in näheren Kontakt zu treten, Vorurteile ab- und Freundschaften aufzubauen.

 

 

Mehrmals kamen wir auch zu einem offiziellen Studienteil zusammen, der dieses Jahr erstmalig in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung stattfand, sowie zu einem Treffen mit den Bischöfen der Diözesen Eger und Hildesheim. Zwei Nachmittage lang beschäftigten wir uns mit der Geschichte und Gegenwart Ungarns sowie der EU. Dazu besuchte uns Hans Kaiser von der Konrad-Adenauer-Stiftung und regte nach einem einführenden Vortrag eine spannende Diskussion an, die auch im Anschluss noch für reichlich Gesprächsstoff sorgte. Welche Voraussetzungen Staaten erfüllen müssen, um die EU-Mitgliedschaft zu erlangen, und wie es um die Demokratie in den osteuropäischen Ländern bestellt ist, waren die brisantesten Fragen des Nachmittags.

 

 

Aber auch unsere Kreativität wurde regelmäßig zu inhaltlichen Aufgaben gefordert. Die Nationengruppen, von denen die deutsche mit 20 Teilnehmern die größte war, präsentierten auf der Bühne, wie sie glaubten, von anderen Nationen gesehen zu werden, und wie sie gerne gesehen werden möchten. Dabei kamen so manche Stereotype auf den Tisch, aber auch Informationen der darstellenden Gruppen, die uns eines Besseren belehren wollten.

 

 

Während eines mehrtägigen Besuches von Bischof Norbert Trelle im Friedensgrund-Camp befassten wir uns schließlich mit der Kirche in Deutschland, Ungarn und Europa. Erzbischof em. István Seregély der gastgebenden Diözese Eger war neben Bischof Norbert Trelle der zweite Gast auf dem Podium im sogenannten Gemeinschaftszelt. Beide Bischöfe berichteten zunächst von ihrem Werdegang. Vor allem für die Teilnehmer aus Hildesheim war es toll, ihren „neuen“ Bischof und seine Lebensgeschichte einmal hautnah kennenlernen und erleben zu dürfen, Fragen stellen zu können und sich mit ihm auszutauschen.

 

 

Eindrücklich erzählte Erzbischof  Seregély von den Schwierigkeiten und Gefahren, die sein Wunsch, Priester zu werden, mit sich brachte: Eintritt ins Priesterseminar mit Beginn des Stalinismus 1950, Ermordung zweier Kollegen, Arbeit als Hilfspriester (lange Jahre ohne eigene Gemeinde), Überwachung durch die Stasi ... Erst mit 43 Jahren bekam er eine eigene kleine Pfarrei im Sperrgebiet nahe der österreichischen Grenze. Er selbst bezeichnet die folgenden Jahre als die beste Zeit seines Lebens; er fühlte sich endlich frei, fühlte sich nicht mehr überwacht. 1987 schließlich kam er nach Ostungarn und wurde Bischof der 1000-jährigen Erzdiözese Eger. Bis er 2007 in Ruhestand ging, war er noch viele Jahre lang Präsident der Ungarischen Bischofskonferenz und nahm diverse internationale Aufgaben wahr. Auf dem Podium beantworteten beide bischöfliche Gäste außerdem ausführlich unsere Fragen zur Situation der Kirche und der Ökumene in Deutschland und Ungarn.

 

 

„Ora et Labora“ steht in großen Lettern auf dem neusten Friedensgrundbanner, welches einige Teilnehmer während der Tage in Bodrogolaszi gestalteten. Beten und Arbeiten sind zwei der wichtigsten Säulen des Friedensgrundes. So begannen und beendeten wir unsere Tage stets mit einem Gebet im Kirchenzelt. Teilnehmer unterschiedlicher Konfessionen kamen zusammen, um den einen Gott zu preisen, um zu danken, zu bitten, Eucharistie zu feiern. Die verschiedenen Nationen und Konfessionen konnten sich immer wieder mit Gesängen und ihren Gedanken und Gebeten einbringen. Im Laufe der Zeit entwickelten die jungen Menschen auch mehr Offenheit und Interesse für die Konfessionen und Liturgien der anderen.

 

 

Allen gemeinsam war die Schrift, die den Mittelpunkt der Morgen- und Abendgebete bildete. Täglich begleitete uns ein Vers der Emmausgeschichte – wie im Friedensgrund üblich, in allen unseren Sprachen vorgelesen. Wie die Jünger Jesu machten wir uns mit dem Friedensgrund auf den Weg und reflektierten täglich eine Frage, die uns helfen sollte, Christus in unserem Alltag und in der Gemeinschaft des Camp-Lebens mehr zu begegnen. Die Feier der Eucharistie war für viele immer wieder ein kleines Highlight. Besonders feierlich waren die Eröffnungs- und die Abschlussmesse, sowie die Hl. Messe mit den Bischöfen István Seregély  und Norbert Trelle. Außerdem hatten wir mehrmals die Gelegenheit, eine griechisch-katholische Liturgie mitzufeiern.

 

 

Natürlich fehlte auch in diesem Jahr nicht die Nacht der Versöhnung, in der auf dem Gelände des alten Schlosses eine ungewöhnliche Stille herrschte. Der Abend begann mit Taizé-Liedern im Kirchenzelt und der Einladung, sich tiefergehend mit der Frage nach den dunklen und den hellen Seiten in unseren Herzen zu beschäftigen. Dazu hatte das Leitungsteam verschiedene kreative Angebote vorbereitet, und die Priester, die an verschiedenen Stellen des Lagers beim Schein der Fackeln warteten, luden ein zum Gespräch sowie zum Sakrament der Versöhnung. Zum Abschluss trafen sich alle Teilnehmer wieder, um ihre Gedanken vor Gott zu tragen, am Kreuz zu beten und die Veranstaltung mit Gesang, Gebet und Ruhe ausklingen zu lassen.

 

 

Für viele Friedensgründler ist die Nacht der Versöhnung ein sehr bedeutendes Element des Friedensgrundprogramms, in dem es nicht nur um Versöhnung mit anderen, sondern in diesem Fall vor allem mit sich selbst geht. Das von gelb-orange-roten Scheinwerfern und Kerzen erhellte Kirchenzelt sorgte traditionell für eine wohlige Atmosphäre, in der sich viele einmal ganz auf sich und Gott einlassen konnten.

 

 

Schließlich führten uns einige Ausflüge in den Norden und Nordosten Ungarns.
Wenige Tage nach Maria Himmelfahrt besuchten wir den kleinen Ort Máriapócs und nahmen an der jährlichen Hauptwallfahrt teil. Einer alten Tradition folgend, zogen wir – vorbei an nicht enden wollenden Ständen und Jahrmarktbuden, die Andenken, Kitsch, Klamotten und Süßigkeiten verkauften, – singend zum Kirchplatz. Dort leitete Bischof Szilárd Keresztes die griech.-kath. Liturgie und Bischof Norbert Trelle konzelebrierte.

 

 

Viele Tausend waren gekommen und harrten z.T. in der prallen Sonne aus oder legten auf dem Gelände hinter der Wallfahrtskirche die Beichte ab, um anschließend an einer kleinen Marienikone vorbeizupilgern und diese zu küssen. An genau diesem Ort hatte  das Original des Marienbildes, welches heute in Wien ausgestellt ist, mehrmals geweint. Viele Plaketten und Danksagungen im Innenraum der Kirche zeugen heute von weiteren Wundern (v.a. Heilungen), die den Pilgern von Máriapócs zuteil wurden.

 

 

Eine Einführung in die Entstehung der griech.-kath. Kirche  und der röm.-kath. Kirche in Ungarn war für uns sehr hilfreich. Schon einige Tage zuvor hatten uns die griech.-kath. Teilnehmer des Friedensgrundes ein wenig den byzantinischen Ritus erklärt.
Máriapócs ist ein Zentrum der griech.-kath. Kirche in Ungarn, die ca. 300.000 Mitglieder hat. 60% der 10 Mio. Einwohner Ungarns sind röm.-kath. getauft, ca. 20% gehören der calvinistischen Kirche an, und ½ Mio. Ungarn sind Lutheraner. Unter weiteren religiösen Gruppierungen in Ungarn nehmen die ca. 80.000 Juden einen bedeutenden Platz ein. Sie bilden die heute zweitgrößte jüdische Gemeinschaft in Europa.

 

 

Früh aufstehen mussten wir am Nationalfeiertag Ungarns, dem 20. August, als wir zur Gedenkstätte nach Recsk fuhren. In der Zeit von 1950-53 wurden dort in einem Arbeitslager Gegner des kommunistischen Regimes zur Arbeit gezwungen und ermordet. Wir gedachten der Toten und beteten für Versöhnung. In einem bewegenden Moment ließen wir zum Abschluss als Zeichen für unseren Wunsch nach Frieden sieben Tauben fliegen.

 

 

Im Anschluss nahmen wir an einem röm.-kath. Gottesdienst in Recsk teil. Zu Beginn der Messe wurde frischgebackenes Brot gesegnet, das aus dem ersten Getreide der diesjährigen Ernte gebacken wurde. Dies ist eine alte Tradition zum Fest des Hl. Stefan. Nach dem Gottesdienst und einer Prozession wurden kleine Brotstückchen an die Gemeinde verteilt. Zum Abschied bekamen wir noch zwei der gesegneten Brotlaibe geschenkt, wovon wir einen in der anschließenden Mittagspause teilten und als besonders köstlich befanden.

 

 

Den Nachmittag verbrachten wir im nahegelegenen Eger (zu deutsch: Erlau). Die 57.000-Einwohner-Stadt, an den südlichen Hängen des Bükkgebirges gelegen, ist Bischofssitz der Erzdiözese Eger. Erzbischof Csaba Ternyák hatte uns schon zu Beginn des Friedensgrundes einen kleinen Besuch in Bodrogolaszi abgestattet und uns willkommen geheißen. Während einer kleinen Stadtführung erkundeten wir auch den klassizistischen Dom, in dem eine Kopie der Marienikone von Máriapócs ausgestellt ist.
Aber auch auf stumme Zeugen muslimischer Vergangenheit stießen wir in diesen Tagen: Das gut 40m hohe, schlanke Minarett in Eger ist das nördlichste und älteste erhaltene Bauwerk aus der Türkenzeit. Heute ist es umgeben von einer zauberhaften Barockaltstadt, über der die Überreste der einst mächtigen Burg thronen.

 

 

Einen fulminanten Abschluss fand der Friedensgrund mit dem traditionellen Fest der Nationen am letzten gemeinsamen Abend mit allen Teilnehmern. Dazu bereiteten die Nationengruppen sowie das Leitungsteam kleine Beiträge vor, die zusammen ein buntes und immer wieder überraschendes Programm aus Musik, Schauspiel, Tanz und Sketchen ergaben. Die Anzahl begeisterter La-Ola-Wellen für die einzelnen Gruppen und unserer extrem fantasievolles Leitungsteam kann im Nachhinein nicht mehr ermittelt werden. In die anschließende Disco-Nacht mischte sich neben unendlicher Freude über unser gelungenes Zusammensein der vergangenen Tage aber auch allmählich ein wenig Traurigkeit über den bevorstehenden Abschied.

 

 

Wir sagen „Danke, Ungarn!!“, dass wir soviel von ungarischer Kultur und Geschichte erfahren durften, dass wir zwischen Eger und Tokaj und von der Donau bis an die Theiß stets willkommen geheißen wurden und eine wunderbare Gastfreundschaft erleben konnten!!

 

 

Wir sagen „Danke, Leitungsteam!!“, insbesondere an Pfarrer Christian Göbel und seinen ungarischen Kollegen Zsolt Tari für die großartige Vorbereitung und Durchführung des Friedensgrundes. Gastgeber und Gäste zogen am Ende eine gute und zufriedene Bilanz und freuen sich auf ein Wiedersehen, welches hoffentlich im Jahr 2008 in der Ukraine stattfinden wird.


Simone und Susanne Elsel


Nachtreffen in Lindhorst

Am 15. September 2007 fand im Anschluss an die „Nacht der Versöhnung“ in Lindhorst (nicht ganz so weit von Hannover) ein Nachtreffen des Friedensgrundes in Ungarn statt. Mit 15 Teilnehmern, ein bisschen Sonne und einem ordentlichen Topf Spaghetti kam schon ein wenig Friedensgrundstimmung auf. Da wir nun alle wieder in unserem Alltag angekommen sind gab es viel Neues zu erzählen: so haben wir von Wohnungssuche, Studienbeginn, Ausbildungsbeginn und natürlich den ersten Tagen und dem Ankommen in Deutschland gesprochen. Auch wurden Grüße von anderen Friedensgrundteilnehmern ausgerichtet; von den Deutschen, die nicht zum Nachtreffen kommen konnten - und von den Freunden aus der Ferne, da gerade in diesem Jahr ein besonders reger Email-Kontakt zwischen den Nationen herrscht.

 

 

Gemeinsam zu essen, zu beten und in Erinnerungen zu schwelgen tat uns einfach gut. Viele Fotos und die ungarische Musik, die uns gleich zu Beginn begrüßte, verbreiteten sofort eine gute Stimmung und ein Gefühl „nach Hause zu kommen“. Und ein wenig Sehnsucht… Nach mehreren hundert Bildern vom Camp, den Arbeitseinsätzen, den Gottesdiensten und Gebetszeiten, vielen Gesichtern und kuriosen Situation haben wir über die aktuelle Situation des Friedensgrundes gesprochen und die Zeit in Ungarn reflektiert. Christian informierte uns auch darüber, dass das Projekt „Friedensgrund“ nun tatsächlich bis 2012 weitergehen kann und im Bistum Hildesheim sehr positiv aufgenommen wird. Das war ein echter Grund zur Freude! So besteht also auch weiterhin die Möglichkeit in den nächsten Jahren die Freundschaften und Kontakte untereinander in Europa zu pflegen.

 

 

Schließlich haben wir uns nach guter Friedensgrundtradition zum Abendgebet um das Kreuz versammelt und uns –gerade dort – sehr verbunden gefühlt mit allen, die vor einigen Wochen in Ungarn mit uns zusammen gelebt, gebetet und gearbeitet haben. Und wenn man bei den bekannten Taizé-Gesängen die Augen für einen kurzen Moment geschlossen hat, fühlte es sich fast so an als würde man im Kirchenzelt sitzen… gemeinsam mit allen andern…

Teresa Schubert

 

 

Friedensgrund in Hungary
Visiting a small country with precious cultural treasures

 

 

This year’s Friedensgrund 2007 led about 130 young people from eleven different nationalities to the small and peaceful village of Bodrogolaszi in the north east of Hungary.

 

 

The participants from Germany, Hungary, Belarus, Lithuania, Poland, Romania, Serbia, Croatia, Bosnia and Herzegovina, the Ukraine and also France and Slovakia, both for the first time, met there for twelve days in order to work together, to pray and to get to know each other through daily camp life. International sub groups consisting of representatives from about five different nationalities shaped daily camp life and set the framework for various activities on Friedensgrund.

 

 

With one of the group members taking charge, the international groups allowed the members to get to know and understand each other more intensely by working on various projects together such as preparing prayers or presentations, through to free-time activities and discussions. – More often than not these activities were accompanied by language difficulties. Nevertheless the idea of small international group is a successful one and typical of Friedensgrund because they encourage deeper bonding resulting in long-lasting friendships.

 

 

As every year, the main concern of the Friedensgrund is ‘reconciliation’. However, not only does this refer to resolutions among nations and confessions, but also includes a reconciliation on a more personal level that is with God and oneself.
A further topic of debate was the European Union, where Historical background information on all participating European countries, especially Hungary, was provided.

 

 

In 1990 Bishop Josef Homeyer initiated (the) Friedensgrund. Since then Friedensgrund has been guest to nearly all eastern European countries. This international camp is organised by an extensive and experienced Friedengrund team. This group consists of our diocesan priest Father Martin Tenge and Chaplain Martin Mahrens, the two parish assistants Patricia Hinz and Annette Handzik, Sister Dominica of St. Vincent’s and the long-term Friedensgrund participant Stefan Solf. They all work together under the direction of Father Christian Göbel. This year the team was supported immensely by devoted Hungarian colleagues.

 

 

Further partners for the organisation and setting of this year’s Friedensgrund were the archdiocese of Eger, the Greek-Catholic diocese Hajdudurog and the Hungarian branch of the Christian community Chemin neuf.

 

 

The participants and the organisers reached the camp by coach, train and mini-vans. However, there is one group in particular that deserves a special mention: the voluntary Maltese helpers from Hildesheim, Hungary and Romania who arrived in their huge lorries full of material necessary for constructing an independent ‘tent town’ with hot running water and electricity. The camp was situated on the grounds of an old derelict castle used as an orphanage in times of Socialism. The Benedictine order owns the castle today and has handed it over to the Christian community of Chemin neuf. In future the buildings and the grounds are meant to provide members of the community with accommodation and offer young people possibilities for meetings and retreat.

 

 

The village Bodrogolaszi has 900 inhabitants and is situated on the edge of the Zemplén Mountains by the river Bodrog in north eastern Hungary. Vineyards, of corn and sunflowers fields predominate the picturesque landscape. The next town Sárospatak with 20.000 inhabitants is only six Kilometres far away. This is where Saint Elizabeth was born 800 years ago. During the course of a ‘question and answer city game’ we were able to discover the pretty little town with its mighty castle by solving tricky and funny tasks. Devotion was also celebrated in the church next door to Saint Elizabeth’s birth house where roses were laid down in remembrance of the ‘rose miracle’. One special hymn in particular, that guided us throughout the entire Friedensgrund, was “Wenn das Brot, das wir teilen” (If the bread that we break) which also refers to St. Elizabeth’s ministry.

 

 

After a few days of living in the Friedensgrund-camp we hosted guests from the village Bodrogolaszi. They were all invited to our “Hungarian evening” … and many came. In fact there were more guests than ever before on a Friedensgrund – 200 additional portions of “Pörkölt” (we would say goulash) were served by the keen Hungarian chef cooks.

 

 

The Hungarian participants had decorated the community tent beautifully for this occasion where a traditional dance show and session followed. Many of the guests generously gave us presents. So we were able to enjoy the local wine, pastries and cakes, goulash and fresh fruit whilst cheering on the folk dancers who had been invited. By the end everyone was dancing and nobody wanted to stop. Both young and elderly people from the village had made their way to the camp. The fact that we did not share the same spoken language was not even an issue. Moreover, it encouraged a language spoken from the heart, that made communication possible, for example, when women from the village embraced the Friedensgrund participants, when photos were taken, when gifts were handed over or when they were asked for a dance.

 

 

This year’s (physical side of Friedengrund’s) work project consisted of knocking down walls and clearing-up activities on the large grounds of the castle, where we were camping. On seven mornings we worked in the former school and derelict castle within our allocated international groups, tearing down walls and removing old radiators. Not even the acumination of dust, dirt or perspiration could discourage the participants. Neither could the ticks or mosquitoes that were outside on the grounds, slow down the participants’ eagerness to work.

 

 

Some of the many targets were to clear a one hundred metre long fence covered in bushes and trees, to have it in parts thinned out and to collect the entire surplus undergrowth of the unkempt park. We managed to gather firewood for approximately three winters and set about one ton of wood and undergrowth in motion. Many busy and helpful hands hauled an estimated amount of 15t of rubble and 3-4t of radiators and heating pipes out of the small school building and around 6-7t of iron out of the castle. A later reflection of our achievements filled everyone with pride and happiness and, as expressed by all nations in the final recap, we concluded that working together can be so much fun. At the end of our work project we left our mark in one of the newly created rooms, by handing over a certificate with the following inscription: “God bless this house”. This room will later be used for seminars by the Chemin neuf members.

 

 

However, hard (which more than often it is!) physical work is not the only feature of Friedensgrund. In order to get to know and understand each other better the participants learn about each other’s daily life. The following informal events offer great chances for good conversations: mealtimes, lunch-breaks and long bus journeys. These communicative situations help create background knowledge of the people’s different cultures, they help dissolve prejudices and they make new friendship possible.

 

 

On several occasions we assembled for official study modules that for the first time took part in cooperation with the Konrad-Adenauer foundation. In addition to that we met up with the bishops from the dioceses of Eger and Hildesheim for discussion. We spent two further afternoons finding out about Hungary’s past, present and future, especially with regard to the developments within the EU. Hans Kaiser from the Konrad-Adenauer foundation also visited the camp and stimulated a lively discussion after an introductory talk which offered further topics of conversation among the Friedensgrund participants. Among the most controversial topics discussed that afternoon were the conditions countries have to fulfil to gain membership in the EU and the status quo of democracy in eastern European countries.

 

 

However, our creative skills were also stimulated frequently. When for example each national group presented their impression of how they thought they are perceived by the other nations and how they would like to be seen on stage. With twenty participants the German group was the largest. In the process of the presentations many stereotypes were revealed and ridiculed. But the groups also offered more information about their countries to paint a more detailed picture of their national situation.

 

 

While bishop Nobert Trelle visited the Friedensgrund camp, we finally dealt with the situation of the church in Germany, Hungary and Europe. Archbishop em. István Seregély of the hosting diocese Eger was the second visitor beside bishop Norbert Trelle on stage in the so-called community tent. First both bishops talked about their personal background and career. Hearing about bishop Trelle’s life and being able to ask him questions was especially interesting to the young people from Hildesheim due to him only recently becoming bishop. Archbishop Seregély reported impressively on the difficulties and dangers that his calling to become a priest involved: when Stalinism began in 1950 he entered seminary, two colleagues were murdered, he worked as an assistant priest (for many years without his own parish), he was observed by the ‘Stasi’. Only at the age of forty-three did he receive his own parish in the prohibited zone close to the Austrian boarder. He himself regards the years to follow as the best time of his life; at last he felt free and unobserved. Finally, in 1987, he became bishop of the archdiocese Eger in east Hungary. Before retiring in 2007 he had been the president of the Hungarian bishop’s conference for many years and worked on various international matters. Whilst on stage both bishops answered our questions in depth regarding the situation of the church and of ecumenism in Germany and in Hungary.

 

 

The slogan “ora et labora” is printed in large letters on the latest Friedensgrund banner that some of the participants designed this year. Praying and working are two of most important elements of Friedensgrund. Consequently each day began and ended with common prayer in our church tent. Young people of different confessions gathered to praise one Lord, to give thanks, to pray and to celebrate mass. The different nationalities and confessions were able to participate by singing, praying and sharing their thoughts. During the course of the camp the young people developed a more open and interested mind towards the other confessions and liturgies.

 

 

One thing we all had in common was the Holy Scripture which was the key element of the morning and evening prayers. A new verse from the story of the disciples of Emmaus provided a thought for every day. Following Friedensgrund tradition this verse was read out in all languages. Like Jesus’ disciples on Friedensgrund we also set off and reflected on a certain thought every day in order to help us discover Jesus in our daily lives and in the community of camp life. Again and again celebrating Holy Mass together was a climax for many participants. The opening and closing Masses as well as Holy Mass with bishop István Seregély and bishop Norbert Trelle were especially impressive. In addition we also had the opportunity to celebrate a Greek-Catholic liturgy.

 

 

Obviously, as on every Friedensgrund, there was a night of reconciliation (Nacht der Versöhnung). During this time the camp was unusually quiet. The night began by singing Taizé songs in the church tent and with the invitation to consider our light and shadow sides of the heart. The team responsible for organising Friedensgrund had prepared a variety of creative activities. The priests could be found by following the light of a glowing torch and they offered the possibility to talk and also the sacrament of reconciliation. The evening ended, by everyone gathering in the church tent again to bring their thoughts before God or to pray at the cross. The whole event closed with song, prayer and peacefulness. This night of reconciliation is a very important element of the Friedensgrund programme. Not only does it enhance reconciliation with the others but above all it addresses reconciliation with oneself. The church tent, illuminated by orange and yellow lights and shining candles, creates the perfectmood to be able to engage with oneself and God.

 

 

Finally we explored the northern and north-eastern part of Hungary on trips through the region. A few days after assumption day we visited a small place called Máriapócs where we took part in the main annual pilgrimage. Following an old tradition we walked to the church square whilst singing hymns. On the way we passed a seemingly never-ending amount of stalls selling souvenirs, kitsch, clothes and sweets. On the church square bishop Szilárd Keresztes was celebrating Greek-Catholic liturgy and bishop Norbert Trelle was concelebrating. Thousands had come and persevered in the scorching sun or had gone to confession behind the pilgrimage church after which they passed by and kissed a small icon of Mary. It was in this exact spot that the original icon of Mary, now exhibited in Vienna, had cried repeatedly. Even today many insignias and signs of thanks inside the church witness further miracles (i.e. healings), which experienced by the pilgrims of Máriapócs.

 

 

The introduction we had to the development of the Greek-Catholic and Roman Catholic church in Hungary was very helpful. A few days before the Greek-Catholic participants of Friedensgrund had explained the Byzantine rite to us.
Máriapócs is centre to the Greek-Catholic church in Hungary that consists of 300.000 members. Sixty per cent of the ten million inhabitants of Hungary are baptised as Roman-Catholics, about twenty per cent are Calvinists and half a million Hungarians are Lutherans. A further important religious group in Hungary are 80.000 Jews, the second largest Jewish community in Europe.

 

 

On Hungary’s national bank holiday 20th August we had to get up early to drive to the memorial grounds of Resck. From 1950 to 1953 opponents of the communistic regime were forced to work on these grounds and murdered. We remembered the dead and prayed for reconciliation. In a moving moment of prayer we released seven white pigeons as sign of our aspiration for peace. Afterwards we participated in a Roman-Catholic service in Recsk. To begin with freshly baked loaves of bread, made of the first wheat harvested that year were blessed, an old tradition on Saint Steven’s day. After the service a short procession followed where little pieces of bread were shared out among the congregation. As a farewell gift we were given two loaves of bread which we tasted and enjoyed during our lunch break.

 

 

We spent the afternoon in the nearby city of Eger (German: Erlau) which has 57.000 inhabitants, is situated in the southern part of the Bükk-Mountains and is home to the bishop in the archdiocese of Eger. Archbishop Csaba Ternyák had already visited us at the beginning of Friedensgrund in Bodrogolaszi and welcomed us. On a short guided tour we explored the monumental cathedral where there is an imitation of the iconic figure of Mary from Máriapócs. However, we also noticed a hidden sign of the Muslim faith and its cultural influence e.g. the 40m high, slender minaret in Eger. It is the most northern and oldest of its kind still existing from times of Turkish rule. Today it is surrounded by magical Barock buildings which are overshadowed by the remains of a once very powerful castle.

 

 

As always the Friedensgrund ended spectacularly in its usual traditional Celebration of the Nations (Fest der Nationen) celebrated by everyone on the last camp day. The national groups and the team responsible for the organisation of (the) Friedensgrund prepared short presentations that, like every year, led to a unique, surprising and colourful programme of music, theatre, dance and short plays. In retrospect, the overwhelming numbers of la-ola- waves for each national group, and especially for our very imaginative organisation-team cannot be accounted for. The performances were followed by a big party full of great joy and happiness, yet slightly tainted by the growing sadness of the farewells that were still to come.

 

 

Last but not least we would like to express our gratitude by saying “Thank you, Hungary” for showing us so much of your rich culture and history, for your kind hospitality and warm welcome wherever we went from Eger to Tokaj between the Danube and the Theiß!!!

 

 

A large appreciation also goes out to the leading team responsible for the whole coordination of the Friedensgrund. We say a big “Thank you” for the amazing preparation and performance, especially to our priest Christian Göbel and his Hungarian colleague Zsolt Tari.

 

 

Both the hosts and the guests drew a more than positive and happy conclusion and are looking forward to meeting again in the year 2008 in the Ukraine.

German version: Simone and Susanne Elsel
English translation: Ingrid Middleton