Friedensgrund 2005 (Marienrode und Köln)


Friedensgrund einmal ganz anders
Nach einer Woche Camp in Marienrode gemeinsame Teilnahme am Weltjugendtag in Köln

 

Dass in diesem Jahr alles etwas anders sein würde fiel den deutschen Teilnehmern des Friedensgrundes wohl schon bei der Anreise auf. Denn da der Friedensgrund nach fünf Jahren wieder in Deutschland stattfand, gab es keine lange gemeinsame Busfahrt ins Camp. Die 105 Teilnehmer aus Mittel- und Osteuropa waren dieses Jahr auf dem Gelände des Benediktinerinnenklosters Marienrode bei Hildesheim zu Gast. Dort hatten die Malteser aus Hildesheim und aus Arad in Rumänien wieder unsere Zelte aufgeschlagen und sorgten für die Versorgung und Betreuung des Camps. Von Anfang an wurde uns die Gastfreundschaft der Benediktinerinnen auf ganz konkrete Weise zuteil; wir duften nämlich Räumlichkeiten des Klosters als Aufenthalts- und Essräume nutzen. Für manch alteingesessenen Friedensgründler war das sicher zunächst ungewohnt, da normalerweise das ganze Camp-Leben ausschließlich in Zelten stattfindet. Aber bei dem schlechten norddeutschen Wetter, das uns in der kommenden Woche begleitete, wussten wir ein wirklich festes Dach über dem Kopf doch immer wieder sehr zu schätzen.

 

Auch auf der spirituellen Ebene machte sich die Nähe zum Kloster bemerkbar. So konnten wir für eine Woche beobachten, wie sich die unterschiedlichen Tagesabläufe des Friedensgrundes und des Klosters immer wieder in gemeinsamen Gebeten und Messen in der Klosterkirche oder in unserem Kirchenzelt verweben konnten. Gerade diese Erfahrung der kontemplativen Spiritualität der Benediktinerinnen war für die Teilnehmer eine sehr interessante und bereichernde Erfahrung, da sie für uns junge Menschen eher ungewöhnlich ist. Den spirituellen Leitfaden für den Friedensgrund stellte in diesem Jahr das Logo des Weltjugendtages dar, dessen einzelne Elemente jeweils einen Tagesimpuls ausmachten. Auf diese Art und Weise bereitete uns das Leitungsteam rund um Pfarrer Christian Göbel schon auf die Fahrt zum Weltjugendtag nach Köln vor, die für die zweite Woche bevorstand.

 

 

"Ora et labora" - auf dieses benediktinische Motto baut der Friedensgrund seit jeher auf. Außer dem gemeinsamen Beten in Kirche und Zelt stand also auch wieder ein Arbeitsprojekt auf dem Programm. Dieses Mal galt es, die Außenmauer des Klosters zu restaurieren. Ein Projekt, das uns sehr viel Spaß gemacht hat, nicht zuletzt dadurch, dass schon nach einer Woche Arbeit unser Erfolg konkret sichtbar wurde. Doch auch unsere Arbeit war zusätzlich von der Einstimmung auf den Weltjugendtag in Köln geprägt. So waren wir zusätzlich als Helfer bei der Vorbereitung und Durchführung des Domhoftages in Hildesheim am 13. August eingeteilt.

 

Neben diesem Programm nutzten wir die Zeit zum Gespräch über die Zukunft der Europäischen Union zu der Altbischof Josef Homeyer, der ebenfalls für ein paar Tage am Camp teilnahm, einen Vortrag hielt.

Außerdem thematisierten wir im Austausch sehr intensiv Religion, Kultur und Politik unserer jeweiligen Heimatländer. Hierzu dienten Diskussionen inden internationalen Kleingruppen, in die wir eingeteilt worden waren und die Nationenabende, an denen jedes Land sich vorstellen konnte. Besonders gut im Gedächtnis blieb dabei wohl die Vorstellung der Ukraine, die uns mit sehr viel Elan die gerade abgeschlossene "orange Revolution" ihres Landes erklärte, über die wir alle nur bruchstückhaft über die Medien erfahren hatten. Insgesamt gelang der Austausch in diesem Jahr auf besondere Weise, da eine höchst vertraute und intensive Gemeinschaft entstehen konnte. In diese gelang dann auch mühelos die Integration der vielen neuen Teilnehmer, die in diesem Jahr dabei waren.

 

 

Mit unserem Ausflug nach Bergen-Belsen kehrte der Friedengrund in seinem 16. Jahr an seine Wurzeln zurück, denn hier hatte 1990 das Camp zum ersten Mal stattgefunden. In dem ehemaligen Konzentrationslager beteten wir gemeinsam mit Bischof Josef in der Hoffnung auf Vergebung. Als Symbol der Versöhnung und des Gedenkens hinterlies danach jeder der Teilnehmer eine Rose an der Gedenkstätte. In diesem gemeinsamen Handeln von Menschen damals noch verfeindeter Nationen konnten wir ein starkes Zeichen für das Ziel des Friedensgrundes setzen, eine neue Geschwisterlichkeit in Europa zu erreichen.

 

Nach einer Woche hieß es dann Abschied nehmen von Marienrode, den Benediktinerinnen und dem Leben im Camp. Denn dann fuhren wir gemeinsam zum Weltjugendtag nach Köln beziehungsweise zunächst nach Solingen, wo wir als internationale Gruppe in einer Schule untergebracht waren. Auch hier wurde uns eine unglaubliche Gastfreundschaft zuteil, sowohl in der Gemeinde, der wir zugeteilt waren als auch von der Bevölkerung der Stadt. So wurde uns immer wieder Hilfe angeboten oder beispielsweise der Weg zu Veranstaltungen gewiesen. Dabei kann man die Geduld der Menschen und besonders die der meisten Bus- und Bahnfahrer wirklich als Engelsgeduld bezeichnen, da die Mengen an Pilgern, die in der Region Köln/Bonn/Düsseldorf in dieser Zeit zusammen gekommen waren, schon so manche Nahverkehrsanbindung

völlig überlasteten. Das führte in Teilen zu schier endlosen Wartezeiten. So war für die meisten von uns die Erfahrung des bunten, trubeligen Programms des Weltjugendtages dann eine sehr gegensätzliche zu der Ruhe in Marienrode.Nach der gemeinsamen Teilnahme an der Eröffnungsmesse erlebten wir das sonstige Programm in kleinen Gruppen. Deswegen war uns das gemeinsame Gebet am letzten Abend in Solingen besonders wichtig, um auf diese Weise gestärkt und geeint den Pilgerweg zum Marienfeld zur Abschlussvigil und -messe mit dem Papst antreten zu können.

 

Danach wechselte der Friedensgrund erneut seinen Ort. Gemeinsam mit den Weltjugendtagsgästen aus Bolivien konnten wir auf dem Wohldenberg noch einen Tag lang die Erfahrungen der vergangenen Wochen reflektieren. Es blieb einheitlich viel neue Motivation und die Hoffnung auf Möglichkeiten, in der jeweiligen Heimat konkrete Dinge verändern zu können. Am Ende verblieben wir mit einem "hope to see you next year".

Lena Bethmann