Friedensgrund 2003

(Kloster Neamt bei Iasi, Moldau/Bukowina)

Ora et labora - und jede Menge Spaß
Der Friedensgrund 2003 war wieder ein großes Gemeinschaftserlebnis

 

Friedensgrund 2003 - das hieß zehn Tage gemeinsam leben, beten und arbeiten, dazu die Schönheit Rumäniens entdecken - und das alles gemeinsam mit Jugendlichen verschiedener Konfessionen und Nationalitäten.

 

 

"It brings together many people from many churches, cultures, countries..." So beschreibt Cristi (19) aus Rumänien, was für ihn den Friedensgrund ausmacht. Auch in diesem Jahr sind wieder 160 Jugendliche und junge Erwachsene aus zehn mittel- und osteuropäischen Nationen, darunter 42 aus der Diözese Hildesheim und aus Mecklenburg, der Einladung von Bischof Dr. Josef Homeyer zum Friedensgrund 2003 nach Rumänien gefolgt. Gastgeber war der orthodoxe Metropolit Daniel der Metropolie Moldau-Bukowina in Nord-Ost-Rumänien. Dort haben wir auf dem Gelände der Einsiedelei Carbuna ("gutes Herz") des Klosters Neamt unter der Leitung von Pfarrer Christian Göbel zehn Tage lang gemeinsam gezeltet, gut versorgt von 30 Maltesern aus Hildesheim und dem rumänischen Arad.

 

Das Miteinander von Menschen verschiedener Nationalitäten und Konfessionen, das heißt römisch-katholischen, griechisch-katholischen und orthodoxen Jugendlichen, ist im Friedensgrund geprägt von der Benediktinerregel "Ora et labora" (bete und arbeite). So waren die Tage von meist selbst gestalteten Morgen- und Abendgebeten eingerahmt, die geprägt waren durch die verbindenden Taizé-Gesänge ebenso wie durch das, was die einzelnen Gruppen aus ihren Traditionen eingebracht haben. Inbegriff dieser Gebetsgemeinschaft ist für viele das in einem bunten Durcheinander von Sprachen dennoch gemeinsam gebetete "Vater unser". Begleitet durch die zehn Tage haben uns zudem orthodoxe und katholische Heilige wie Klara von Assissi, der heilige Johann-Jakob und Edith Stein, die als "Zeugen des neuen Lebens" für Gebet und Gemeinschaft, Einfachheit und Glaube einstanden.

 

 

Daneben wurden auch die Liturgien der verschiedenen Konfessionen gefeiert, um einander besser kennen und verstehen zu lernen. Selbst wenn noch manches der komplizierten orthodoxen Liturgie fremd geblieben ist, so haben sich doch mehrere der deutschen Teilnehmenden in einem Gespräch mit Bischof Homeyer tief beeindruckt von der orthodoxen Frömmigkeit gezeigt und die Neugier, mehr über die Orthodoxie zu erfahren, ist auf jeden Fall geweckt worden.

 

Neben dem gemeinsamen Gebet ist das Arbeitsprojekt die zweite Säule des Friedensgrunds. Zur Zeit entsteht am theologischen Seminar den Klosters Neamt, einem Internat für junge orthodoxe Männer, ein internationales ökumenisches Jugendzentrum mit Konferenzräumen, Gästezimmern und einer

interkonfessionellen Kapelle. Nachdem der Rohbau bereits steht, müssen nun dringend bis zum Wintereinbruch Abwasserleitungen verlegt werden. Also haben an insgesamt sechs Vormittagen Gruppen von Friedensgründlern angefangen, Gräben von 1,40m bis 2,40m Tiefe auszuheben. Trotz der aufgrund des harten Lehmbodens anstrengenden Tätigkeit mit Spaten, Schaufel und Spitzhacke war die Stimmung gut und häufig aus der ein oder anderen Ecke Gelächter und Gesang zu hören. Und während die einen ehrgeizig immer tiefer buddelten (allen voran übrigens Bischof Homeyer) und bald bis über die Nasenspitze im Graben verschwanden, haben andere die vielen kleinen Pausen zwischendurch lieber dazu genutzt, ungezwungen mit den Teilnehmenden aus anderen Ländern ins Gespräch zu kommen.

 

Gefördert wurde das Kennen lernen über Nationengrenzen hinweg sicherlich auch dadurch, dass wir während der Zeit des Friedensgrunds in internationale Gruppen eingeteilt waren, die sich Namen wie "Tolerant Prayers", "Dracula´s Kids" oder "Bahamasgrund" gaben und sich am ersten gemeinsamen Abend mit lustigen Theaterstücken oder Liedern den anderen präsentierten. Diese Gruppen sind dann auch gemeinsam zur Arbeit gegangen, haben Camp-Dienste wie Spülen, Toiletten putzen

oder Aufräumen übernommen, über die Zukunft des Friedensgrunds diskutiert und sind in einer Lager-Olympiade gegeneinander angetreten. Schubkarrenrennen und der Versuch, einen Basketball in einen 2,50m hohen Korb zu bugsieren, ohne ihn werfen zu dürfen, schweißen dabei auch ohne viele Worte zusammen. Dieser Tag fand dann, einem Karpaten-Gewitter zum Trotz, seinen fröhlichen Ausklang in einer Zeltdisco bis in die Nacht hinein.

 

Raum für thematische Auseinandersetzung boten auch die Präsentationen der nationalen Gruppen zu Freude und Hoffnung, Trauer und Angst in ihren Heimatländern. Themen wie Armut und Arbeitslosigkeit in Rumänien, Emigration aus Bosnien-Herzegowina, Einsamkeit in Deutschland und Kriegsfolgen in Serbien kamen hier zur Sprache - aber auch Nationalstolz, der vielfach an sportlichen Erfolgen festgemacht wurde, kam deutlich zum Ausdruck. Viele Präsentationen osteuropäischer Gruppen waren aber geprägt von einer großen Vorfreude auf die EU. Es gab auch kontroverse Diskussionen, etwa zum Krieg in Jugoslawien.

 

Neben der Zeit im Camp gab es natürlich auch Gelegenheit, ein wenig vom gastgebenden Land kennen zu lernen. So haben wir die Städte Iasi, den Sitz des Metropoliten Daniel, und Suceava besichtigt ebenso wie die architektonisch wunderschönen Klöster Humor und Voronet, die wie das Kloster Neamt zum bedeutenden kulturellen Erbe Rumäniens gehören. Der Metropolit und der römisch-katholische Bischof Gherghel von Iasi, der die Vorbereitung des Friedensgrunds mit unterstützt hatte, kamen dann zu einem Gegenbesuch ins Camp und haben in einer Diskussionsveranstaltung unter anderem über die Jugendarbeit in den rumänischen Kirchen berichtet.

 

Trotz des unkomplizierten Miteinanders soll beim Friedensgrund aber die Vergangenheit nicht aus den Augen verloren werden. Seit dem ersten Friedensgrund 1990 - einer Wallfahrt von polnischen, deutschen, russischen und tschechoslowakischen Jugendlichen entlang der deutsch-deutsch Grenze - steht der Versöhnungsgedanke im Mittelpunkt. So haben wir auch in diesem Jahr auf dem Soldatenfriedhof von Letcani der Opfer des zweiten Weltkriegs gedacht und mit einem europäischen Friedensgebet unsere Hoffnung auf ein friedliches Miteinander unserer Nationen zum Ausdruck gebracht. Zudem hat die Nacht der Versöhnung, ein Abend mit Gebet, Stille und Beicht- und Gesprächsmöglichkeiten, dazu eingeladen, Jesus Christus als Grund eines eigenen versöhnten Lebens wie eines gelingenden Miteinanders zu begegnen.

 

Dieser Versöhnungsgedanke soll vom Friedensgrund in die Kirchen des Bistums getragen werden. Mehrmals im Jahr wird irgendwo in der Diözese eine "Nacht der Versöhnung" gefeiert. Die nächsten werden vom 3-4. Oktober in der Gemeinde Maria Frieden in Hannover-Ost und vom 28.-29. November in der Heilig-Geist-Gemeinde in Stade stattfinden.

 

Auch der diesjährige Friedensgrund bestärkt damit die Erfahrung, dass das, was unsere Kirchen verbindet, stärker als das Trennende ist und Frieden zwischen den Nationen und Konfessionen möglich ist. Und so bleibt zum Abschluss der Wunsch aller Teilnehmenden, durch persönliche Brieffreundschaften ebenso wie durch das gemeinsame Gebet des "Vater unsers" am Freitagabend miteinander in Verbindung zu bleiben.

Karin Guill