Friedensgrund 1998

in Batina / Kroatien

(frei nach Mt 20, 1-16)
"Denn mit dem Friedensgrund ist es wie mit einem kroatischen Pfarrer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Gemeindeberg anzuwerben. Er einigte sich mit ihnen auf eine warme Mahlzeit für den Tag und schickte sie in die Wildnis zum Bäumefällen. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Marktplatz und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Gemeindeberg und hebt eine Zisterne aus. Und sie gingen. Um die sechste und die neunte Stunde ging der Pfarrer wieder auf den Marktplatz und warb Leute zum Verschalen und Betonschleppen. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Gemeindeberg. Ihr könnt den Schuppen niederreißen und Ziegelsteine abklopfen. Als es nun Mittag geworden war, sagte der Pfarrer zu seinen Maltesern: Ruft die Arbeiter, fahrt sie zurück ins Lager und zahlt ihnen den Lohn aus."

Blick auf Batina. Im Hintergrund
die Brücke nach Serbien.

Vom 6.-21.August 1998 haben wir, 28 Jugendliche aus dem Bistum Hildesheim, gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Bistum Erfurt sowie aus Kroatien, Rumänien und der Ukraine beim Wiederaufbau in dem kroatischen Ort Batina geholfen. Batina liegt direkt an der kroatisch-serbischen Grenze; eine Brücke führt hinüber ans serbische Ufer der Donau. Da die Einwohner des Ortes nach den sieben Jahren des Bürgerkrieges bzw. der serbischen Besetzung erst zu etwa 50% zurückgekehrt sind, war dort jede Hand willkommen.

Anstehen bei der Essensausgabe der Malteser
Der Tag begann mit dem Schall von Daniels Trompete, worauf ein Morgenlob folgte. Nach dem Frühstück ging es per Bulli oder zu Fuß in den Ort. Hier wurde dann den ganzen Vormittag über in gemischt-nationalen Gruppen gearbeitet. Den Nachmittag nutzten die meisten zum ausgiebigen Baden (es gab einen traumhaften Sandstrand ganz in der Nähe), außerdem lockten Kreativangebote wie Tanzen und Basteln oder gar eine Lagerolympiade. Abends fand meist eine Messe statt, so daß jede Nation einmal in ihrem Ritus feiern konnte. Ein Abendlob schloß den Tag ab.

Nach getaner Arbeit ziehen wir durch das Dorf.
Schon bald hatten wir uns auf der "Grünen Insel" eingelebt. Die geplante Revanche für die WM-Niederlage gegen Kroatien ging allerdings daneben: Der 1.FC Batina siegte (nach Elfmeterschießen) gegen unsere Lagerauswahl. Kulturelles Highlight war schließlich eine Disco auf dem Marktplatz, die vor allem ein bemerkenswertes Ansteigen der Pärchenzahl zur Folge hatte... Ein anderes Mal kochten die Bewohner des Dorfes uns ein echt kroatisches Essen, was dann in einen kroatischen Abend mündete, bei dem sich Ðurica, der Pfarrer von Batina, als echte Stimmungskanone erwies ("Old McDonald had a farm..."). Überhaupt scheint in Kroatien alles etwas lockerer zu laufen als in Deutschland. Oder würde unser Bundesgrenzschutz wohl ukrainische Touristen zu einer Motorbootfahrt einladen?

Arbeit an der Zisterne
Die Arbeit schritt zusehends voran. Dabei beförderte unser "Archäologenteam" unter anderem einen Katzenschädel, eine tönerne Christusfigur und eine Handgranate ans Tageslicht. Wegen der großen Hitze stürzten sich einige anschließend in voller Montur in die Donau. Abends fand dann das große "Fest der Nationen" statt, zu dem alle Gruppen etwas vorbereitet hatten: Tänze, Lieder, Theaterstücke... Nicht zu vergessen die "Herzblatt"-Show, bei der unsere Pärchen auf Herz und Nieren getestet wurden.

Unsere Gruppe (im roten T-Shirt der Autor
Am Sonntag brachen wir zu einer Städtetour nach Ðakovo, Vukovar und Osijek auf. Nach dem Besuch der wunderschön ausgemalten Kathedrale von Ðakovo ging unsere Fahrt weiter durch Dörfer, die buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht worden waren. Ein ähnliches Bild bot sich auch in Vukovar. Die wenigen noch verbliebenen Gebäude waren von Granateinschlägen gezeichnet. Ein mulmiges Gefühl machte sich breit, denn zum ersten Mal wurden wir mit der Schwere des Krieges konfrontiert, der hier gewütet hatte. Und doch – mittendrin ein wiederaufgebautes, frisch gestrichenes Haus, ein kleiner Kiosk mit Blumen... Man sieht: Kroatien versinkt nicht in Resignation, sondern geht mit neuem Mut an den Wiederaufbau.

Straße in Vukovar
Alles in allem war es dennoch eine schöne Zeit, die wir in Kroatien verbrachten. Doch unbarmherzig und viel zu schnell schlug die Stunde des Abschieds, und viele konnten die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Auf der Rückfahrt machten wir noch eine Stadtführung in der kroatischen Hauptstadt Zagreb mit und investierten unsere letzten Kuna in Eis. Nach einer Übernachtung in Salzburg erreichten wir am nächsten Abend müde, aber wohlbehalten den Wohldenberg. Ein Dank nochmals an Bischof Josef, Bernd Langer, Christian Göbel und alle OrganisatorInnen dieser Fahrt!

Bernd Kappenberg